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Karlsruhe: Klimaschutzkampagne

Gesund und gut fürs Klima - Ernährung, die Spaß macht!

Was hat unser Essen mit dem Klima­schutz zu tun?
Gar nicht wenig! Einschließ­lich Transport landet fast ein Fünftel der deutschen Treib­h­aus­ga­se­mis­sio­nen auf dem Konto unserer Ernäh­rungs­ge­wohn­hei­ten. Die Wahl der passenden Lebens­mit­tel und die Art und Weise, wie wir mit ihnen umgehen, kann viel bewirken - beim Klima­schutz ebenso wie beim gesunden Geschmack­ser­leb­nis. Wer seinen Speise­zet­tel klima­ge­recht und voraus­schau­end plant, kann zudem Arbeits­zeit am Herd sparen und den Geldbeu­tel schonen. Wie das geht, erklärte Ernäh­rungs­wis­sen­schaft­le­rin Petra Kipp in ihrer Einführung in die genüss­li­che Welt der klimaf­reund­li­chen Ernährung mit vielen prakti­schen Tipps für die eigene Küche.

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Was ist eine klimafreundliche Ernährung?


 

Zahlreiche Einfluss­fak­to­ren prägen unser Ernäh­rungs­ver­hal­ten, gab Petra Kipp zu Beginn ihres Vortrags zu bedenken.

  • Vorgaben unserer eigenen kultu­rel­len Hinter­grün­de
  • Erinne­run­gen daran, was in unserer Herkunfts­fa­mi­lie gern gekocht und gegessen wurde
  • besonders gute oder schlechte Erfah­run­gen im Zusam­men­hang mit bestimmten Speisen
  • Vorlieben dazu, was uns optisch anspricht - oder eben nicht

All das und vieles mehr beein­flusst unsere tagtäg­li­chen Entschei­dun­gen für oder gegen bestimmte Nahrungs­mit­tel. Meist geschieht das ganz unbewusst. Dem gegenüber bestimmen unsere ökono­mi­schen Möglich­kei­ten, aber auch ökolo­gi­sche Werte und zunehmend gesund­heit­lich bedingte Einschrän­kun­gen die Wahl unserer Lebens­mit­tel ganz bewusst.

Für eine klimaf­reund­li­che Ernährung wird es daher nie den einen, für alle Personen - und Persön­lich­kei­ten - richtigen Weg geben. Aus dem reich­hal­ti­gen Angebot kann jedoch jede und jeder zahlreiche Möglich­kei­ten wählen, um nach eigenem Geschmack gut zu essen und gleich­zei­tig das Klima zu schonen.

Wie setzt sich eigentlich das Fünftel der Treib­h­aus­ga­se­mis­sio­nen zusammen, das auf unsere Ernäh­rungs­ge­wohn­hei­ten entfällt?

  • Größter Posten mit rund 44 % ist die Erzeugung tierischer Lebens­mit­tel - von Fleisch und Fisch über die Vielzahl der Milch­pro­duk­te bis hin zum Ei.
  • Platz zwei geht mit rund 29 % bereits an unsere eigenen Verbrau­che­rak­ti­vi­tä­ten - vom Einkauf im Laden bis zum fertigen Gericht auf dem Teller und den Resten in der Mülltonne.
  • Platz drei belegen mit rund 13% Handel und Verkehr.
  • Nur ganze 8% entfallen auf die breite Palette der Erzeugung pflanz­li­cher Lebens­mit­tel.
  • Die letzten 6 % fallen bei der Verar­bei­tung der Nahrungs­mit­tel durch die Erzeuger an.

Diese Zahlen machen klar, wie erstaun­lich groß unsere Einfluss­mög­lich­kei­ten als Konsu­men­ten auf dem Gebiet unserer Ernährung sind, für die wir im bundes­deut­schen Durch­schnitt gerade mal 10 % unseres Einkom­mens aufwenden. Erfreulich ist zudem, dass viele Ernäh­rungs­ent­schei­dun­gen, die dem Klima gut tun, gleich­zei­tig auch unserer Gesundheit dienen.

Die Spanne der Klima­bi­lan­zen unserer Lebens­mit­tel ist gewaltig. Gerade bei Molke­rei­pro­duk­ten wächst die CO2-Belastung rasant mit jedem Verar­bei­tungs­schritt und mit steigendem Fettgehalt. Verursacht die Erzeugung von einem Kilogramm Milch 940 Gramm CO2, so sind es bei einem Kilogramm Butter stolze 23.760 Gramm. Ähnlich, wenn auch auf sehr viel niedri­ge­rem Niveau, verhält es sich bei pflanz­li­chen Lebens­mit­teln.

Unter den Fleisch­sor­ten verursacht Rind den weitaus höchsten CO2-Ausstoß mit 14.310 Gramm pro Kilogramm. Beim Schwein sind es lediglich 4.240 Gramm. Geflügel und Fisch liegen noch darunter und haben auch für die gesunde, ausge­wo­gene Ernährung viele Vorteile. Beim Fisch gilt es allerdings, das Problem der Überfi­schung im Auge zu behalten. Aktuelle Einkaufs­emp­feh­lun­gen finden Sie hier.


 


 

Ganz auf tierische Produkte zu verzichten, ist sicher nicht für alle der richtige Weg. Eine ausgewogen gesunde vegane Ernährung ist machbar, aber nur mit fundier­ten Kennt­nis­sen über die richtigen Nährstoff­kom­bi­na­tio­nen, betont Petra Kipp. Jungen Menschen im Wachstum sei sie auf keinen Fall zu empfehlen. Vegeta­ri­sche Ernährung, die auf Fleisch verzichtet, Milch­pro­dukte aber zulässt, sei da sehr viel leichter zu prakti­zie­ren, auch für Kinder.

Wer mit der eigenen Ernährung die Klima­bi­lanz verbes­sern will, muss dafür nicht gleich auf alles "Tieri­sche" verzichten. Petra Kipp gab ihren Zuhöre­rin­nen und Zuhörern ein paar leicht umsetzbare Tipps mit auf den Weg:

  • Essen Sie seltener Fleisch und tierische Produkte, dann aber von richtig guter Qualität. Artgerecht auf der Weide gehaltene Tiere verur­sa­chen nachge­wie­se­ner Maßen sehr viel weniger Treib­h­aus­gase, als ihre weniger glück­li­chen Artge­nos­sen in enger Inten­siv­tier­hal­tung. Wer vergleicht, erkennt den Unter­schied auch leicht am Geschmack. Die rund 82 Kilogramm Fleisch, die wir im bundes­deut­schen Mittel pro Jahr verzehren, haben größten­teils wenig mit echtem Genuss zu tun. Wie wäre es statt­des­sen mal wieder mit der guten alten Tradition des Sonntags­bra­tens?
  • Essen Sie weniger fette Milch­pro­dukte. Generell sind Molke­rei­pro­dukte umso klimaf­reund­li­cher, je geringer ihr Fettgehalt ist. Auch hier verhilft die Formel Qualität statt Quantität zu mehr Genuss bei gleich­blei­ben­dem Budget. Greifen Sie öfter mal zu einem guten Frischkäse - der schmeckt auch unter der Marmelade gut anstelle von Butter. Oder probieren Sie zur Abwechs­lung mal einen der vielfäl­ti­gen pflanz­li­chen Aufstriche. Manche lassen sich auch leicht und schmack­haft selbst zubereiten.
  • Experi­men­tie­ren Sie mit pflanz­li­chen Produkten, die sich als Ersatz für tierische Pendants eignen. Kokos-, Reis-, Hafer- oder Sojamilch haben ihren ganz eigenen Reiz und bringen geschmack­volle Abwechs­lung in viele leckere Speisen. Bei vielen Gerichten mit Getrei­de­ar­ten, Hülsen­früch­ten oder Sojapro­duk­ten werden Sie kein Fleisch vermissen. Die Bandbreite entspre­chen­der Rezepte für jeden Geschmack ist riesig. Kuchen gelingen auch sehr gut mit Margarine.
  • Erfreuen Sie sich an saisonal und regional erzeugten Lebens­mit­teln und genießen Sie jede Jahreszeit auf ihre ganz eigene kulina­ri­sche Art und Weise. Am besten schmeckt, was bei uns gerade wächst, frisch gereift und auf kurzen Wegen auf Ihren Tisch kommt. Es lohnt, sich darauf auch einmal etwas länger zu freuen. Bei der Klima­bi­lanz beein­druckt der direkte Vergleich - hier am Beispiel von einem Kilogramm Tomaten: im beheizten Gewächs­haus außerhalb der Saison gezogen entstehen 9.300 Gramm CO2, regional und saisonal im Freiland angebaut sind es gerade mal noch 35 Gramm. Wird die Lust außerhalb der Saison mal gar zu groß, dann greifen Sie bitte nicht zur Flug- oder Treib­h­aus­wa­ren. Freiland­to­ma­ten aus Spanien sind denen gegenüber mit 600 Gramm CO2 wenigs­tens noch einiger­ma­ßen moderat.
    Orien­tie­ren Sie sich an einem Saison­ka­len­der
  • Entdecken Sie quali­tätvolle lokale Produkte. Karlsruhe bietet dazu eine gute Infra­struk­tur und vielfäl­tige Angebote. Wer mehr über Herkunft und Qualitäten seiner Lebens­mit­tel erfahren möchte, findet fachkun­dige Ansprech­part­ne­rin­nen und -partner auf den Karlsruher Märkten im ganzen Stadt­ge­biet - vom Bauern­markt in Durlach bis zum Wochen­markt in Daxlanden. Orte und Zeiten finden Sie hier.
    Noch "näher dran" ist man lediglich bei den Direkt­ver­mark­tern im Karls­ru­her Stadt- und Landkreis. Eine Broschüre mit vielfäl­ti­gen Angeboten für jeden Geschmack - bis hin zum Ausflugs­er­leb­nis für die ganze Familie erhalten Sie hier.
  • Biolo­gi­sche Lebens­mit­tel - tierisch oder pflanzlich - benötigen in der Erzeugung weniger Energie, schonen die Natur und verur­sa­chen insgesamt im Mittel ein Viertel weniger Treib­h­aus­gase, als gleiche Produkte aus konven­tio­nel­ler Landwirt­schaft - wenn sie nicht von weit her zu uns anreisen oder gar fliegen müssen. In dem Fall kann das heimische Produkt aus saisonalem konven­tio­nel­lem Anbau dann doch die bessere Wahl sein.
  • Kaufen Sie fair. Die Wahl von Produkten aus fairem Handel verbessert nicht nur die Lebens- und Arbeits­be­din­gun­gen der Erzeuger und ihrer Familien vor Ort. Sie dient gleich­zei­tig auch dem Erhalt von Natur- und Lebens­räu­men, deren Verlust unser aller Klima nachhaltig schädigt.
  • Kochen Sie oft selbst, am besten mit gering verar­bei­te­ten Ausgangs­pro­duk­ten. Die sind frischer und schmack­haf­ter, haben gegenüber Fertig­pro­duk­ten und außer Haus gekauften Speisen eine sehr viel bessere Klima­bi­lanz und Sie wissen dann wirklich, was in Ihrem Essen so alles drin ist.


 


 

"Mein Mann wird auf seine Butter sicher nicht verzich­ten" vermutet eine Teilneh­me­rin. Muss er auch nicht. Petra Kipp empfiehlt unbedingt, persön­li­che Vorlieben zu berück­sich­ti­gen und auch mal Kompro­misse zuzulassen - das erhöht die Akzeptanz und das Durch­hal­te­ver­mö­gen bei jeder Verän­de­rung, die wir in unserer Ernährung vornehmen wollen. Oberstes Ziel bleibt ein gesundes und genuss­vol­les Geschmack­s­er­geb­nis.

Ohnehin liegt bei all den Möglich­kei­ten zur verant­wor­tungs­vol­len Auswahl unserer Nahrungs­mit­tel doch oft das noch größere Potenzial für den Klima­schutz in unserem Umgang mit ihnen. Hier einige Anregungen:

  • Kochen Sie energie­spa­rend - wählen Sie die passende Topfgröße für jeden Inhalt und die passende Herdplatte für jeden Topf. Wer bei gerin­ge­ren Tempe­ra­tu­ren und mit geschlos­se­nem Deckel gart, schont Vital­stoff­ge­halt der Speisen und Geldbeu­tel gleicher Maßen.
  • Wie kommen die Lebens­mit­tel zu Ihnen? Zu Fuß oder mit dem Fahrrad vom Markt und aus dem Laden um die Ecke oder mit dem Auto aus dem Super­markt? Wer mit eigener Muskel­kraft trans­por­tiert, sorgt vor dem Genuss noch für gesunde Bewegung - und ist besser geschützt vor zu reich­hal­ti­gem Lebens­mit­te­lein­kauf, der später dann doch nicht verbraucht werden kann.
  • Wie viel (ver)­brau­chen Sie wirklich? Oft kaufen und kochen wir viel zu viel und hinterher landen große Teile davon im Müll. Pro Person und Jahr summieren sich die Kosten für Lebens­mit­tel, die wir in Deutsch­land wegwerfen auf fast 400 Euro- erschre­ckend viel. Wer sich vor dem Einkauf bewusst macht, was er oder sie tatsäch­lich in einer Woche verbrau­chen kann und möchte, schont nicht nur die Umwelt sondern auch den Geldbeutel. Statt­des­sen ist dann auch mal ein etwas teurerer Lecker­bis­sen drin. Oft hilft es sich bewusst zu machen, welche Porti­ons­grö­ßen die Famili­en­mit­glie­der eigentlich pro Mahlzeit bewältigen können.
  • Erstellen Sie einen Speiseplan, mit allen Gerichten, die Sie innerhalb einer Woche kochen wollen. Das spart Zeit beim Einkauf und beim Kochen, denn vieles lässt sich gleich für den nächsten Tag mit vorbe­rei­ten - oder Sie zaubern aus den Resten ein neues leckeres Gericht. Ideen dazu liefert beispiels­weise die Kampagne Zu gut für die Tonne.
  • Machen Sie sich schlau, was wie lange haltbar ist. Während Salate schnell verbraucht werden sollten, können die meisten Gemüse­sor­ten bei richtiger Lagerung gut drei bis sechs Tage schadlos überstehen - Kohl, Lauch oder Wurzel­ge­müse auch gern mal länger.
    Mit dem Mindest­halt­bar­keits­da­tum (MHD) endet nur die Garantie des Herstel­lers für bestimmte Produk­tei­gen­schaf­ten, nicht jedoch die Verwend­bar­keit. Die prüfen Sie am besten durch Schauen, Riechen, Schmecken. Dauer­wa­ren wie Reis oder Nudeln bräuchten eigentlich gar kein MHD.
    Keine Toleranz­zeit gibt es hingegen bei der Aufschrift "Zu verbrau­chen bis ..."beispiels­weise auf Frisch­fleisch- und Eierpro­duk­ten. Nach diesem Datum ist vom Verzehr definitiv abzuraten.
  • Wie halten Sie es mit der Verpa­ckung? Kommt Ihr Essen in einem bunt gefüllten Einkaufs­korb ins Haus, statt in vielen einzeln verpackten Teilen aus dem Super­markt? So wird übers Jahr jede Menge Verpackung gespart, die ansonsten mit viel Energie produziert und wieder entsorgt werden muss. Und Plastik­tü­ten braucht angesichts prakti­scher und toll gestal­te­ter Einkaufsta­schen aller Arten ohnehin niemand wirklich.

Am 27. Juni 2013 haben die Haushalte der Klimawette gemeinsam mit Petra Kipp in der Praxis erprobt, wie leicht und köstlich das klima­ge­rechte Kochen sein kann. Große und kleine Köche und Köchinnen waren mit Begeis­te­rung dabei und so manches neue Lieblings­re­zept wird sicher seinen Weg in die Küchen der Teilneh­men­den finden. Vielleicht auch in Ihre?

Inspi­rie­rende Eindrücke und leckere Rezepte von dem vielsei­ti­gen Workshop finden Sie hier.

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